|
|
| |
An eine Lehrerin
(bei Überreichung einer Uhr)
Wir kommen heute fröhlich Dir entgegen,
Dir unsrer Liebe vollen Dank zu weihn,
Du sorgtest ja auf unsres Lebens Wegen
Für unsres Geistes fröhliches Gedeihn.
Doch weil die Liebe selbst im schönsten Bunde
Sich auch der äußern Gaben gern erfreut,
So widmen wir in dieser Feierstunde
Auch Dir ein Zeichen unsrer Dankbarkeit.
Prangt sie auch nicht, die Gabe, die wir bieten,
Fehlt ihr des Goldes und des Silbers Glanz,
Und mangeln ihr des Lenzes frische Blüten,
Schmückt sie auch einfach nur ein grüner Kranz;
So ist sie doch die Gabe unsrer Liebe
Und Dir bedeutungsvoll von uns geweiht:
So mahne Dich das muntre Uhrgetriebe
An unsre Liebe auch in ferner Zeit!
Und wie sie an dem heut'gen Festestage,
Trotz ihrer Mahnung an die Flucht der Zeit,
Uns Allen ja mit jedem Stundenschlage
So unvergeßlich frohe Stunden beut:
So mag sie Dir auch Freude fort verkünden
Im richt'gen Takt, zu früh nicht, nicht zu spät,
Und repetiert sie, magst Du's tief empfinden:
Die Liebe bleibt, ob auch die Zeit vergeht!
Die Festtage des
Lebens, 1856
|
|
|