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70. Geburtstag
Siebzig Mal sahst Du den Frühling sich verjüngen,
Siebzig Mal das Feld die vollen Ähren bringen,
Und ein frommer, gottergeb'ner Sinn
Führt' in dieser langen Reih' von Jahren
Dich durch Glück, Beschwerden und Gefahren
Kraftvoll zu des Alters Ruhe hin.
Viele Dinge haben anders sich gestaltet,
Aber Deine Redlichkeit ist nicht veraltet,
Wahr in Wort und Tat, bliebst Du Dir gleich.
So besteht der Mann von inner'm Werte;
Wenn er auch des Glückes äußern Glanz entbehrte,
Ist er doch durch Tugend groß und reich.
Selig ist die Rückerinnerung des Greises,
Wenn er an die heißen Tage seines Fleißes,
Wenn er seiner Tätigkeit gedenkt.
Wer, wie Du, mit Mäßigkeit genossen
Jede Lebensfreude, und stets unverdrossen
Seines Hauses Wohl aufs Beste lenkt:
O, der kann mit Recht an seinem Lebensabend,
Wie ein Müder nach des Tages Last sich labend,
An dem Wohl der Seinen sich erfreu'n. -
Möge lange noch dies Glück Dir blühen,
Mögest Du die Enkel alle noch erziehen,
Welche heut' sich Deiner Tugend weih'n!
Sammlung von
Gelegenheitsgedichten, 1852
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