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Geburtstagsgedichte





Ein Gatte an seine Gattin

Oft bracht ich Dir ein Wort voll Lieb' und Dank,
Wenn dieser Tag, der Dich dereinst geboren,
Sich aus Aurorens goldumsäumten Toren
Vom Himmel zu der Erde niederschwang,

Laut jauchzte ich Dir meinen Jubel zu,
Doch lauter noch, als in des Liedes Tönen
Sprach ich zu Dir durch Blicke und durch Tränen:
"Geliebtes Weib, mein reichstes Gut bist Du!" -

Und dies Gefühl, das meine Brust durchglüht,
Auch heute will ich es in Worte kleiden;
Denn ach, wer weiß, ob diesen Tag der Freuden
Hienieden noch mein Auge wiedersieht.

Das Leben gab uns manchen bittern Schmerz
Und oft umringten Kummer uns und Sorgen.
Doch froh erwachten wir an jedem Morgen
Und blickten freudig hoffend himmelwärts.

Die Liebe, sie, des Lebens höchste Lust,
Die in des Kummers nachtumhüllten Tagen
Den Menschen lehret dulden, hoffen, tragen,
Sie lebte treu und rein in unsrer Brust.

Sie schwebte nieder von des Himmels Höh'n,
Zu leiten uns durch Kummer und Gefahren,
Sie sah'n in vielen langen, schönen Jahren
Wir schützend stets an unsrer Seite geh'n.

Wenn ich zurück auf die Vergangenheit
Mit ihren Sorgen, ihren Schmerzen blicke,
Dann dank' ich dennoch innig dem Geschicke,
Das auch so viele Rosen mir gestreut.

Doch nicht allein dem Schicksal, nein, auch Dir,
Du teures Weib! dank ich aus tiefstem Herzen.
Du trugest gern mit mir des Lebens Schmerzen,
Du teiltest meine Freuden treu mit mir.

Nie danken kann ich Dir für Deine Treu,
Und sie vergelten kann ich noch viel minder,
Dir, der getreuen Mutter Deiner Kinder,
Dir, deren Liebe jeden Morgen neu.

Nur das Bewußtsein treu erfüllter Pflicht,
Es kann Dir ganz, es kann Dir würdig lohnen;
Dort oben winken der Vergeltung Kronen,
Die einst ein Engel um die Stirn Dir flicht.

Wie fest, wie stark knüpft sich der Liebe Band,
Wenn eine lange Reihe schöner Jahre
Zwei Herzen dieses Leben bis zur Bahre
Durchwandeln eng verbunden Hand in Hand.

Da wird es schwer, wenn dann das Schicksal ruft,
Da wird es schwer, vom teuren Herzen scheiden.
Allein getrost, zu bessern schönen Freuden
Vereint auf ewig uns dereinst die Gruft.

Drum teures Weib! was auch die Zukunft beut,
Nicht trauern wollen bange wir und klagen,
Was uns der Herr schickt, laß uns mutig tragen
In froher Hoffnung auf die Ewigkeit.

Die Festtage des Lebens, 1856












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