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Der Liebsten
(mit einer Tasse)
Liebes Mädchen, ich, ein Bote
Deines Liebsten komme heute,
Schüchtern meinen Gruß zu bieten,
Und Dich freundlich zu bedienen.
Der mich schickt, ersucht Dich, Holde,
Mich als Freundin aufzunehmen,
Und in Deinem kleinen Zimmer
Auf der zierlichen Komode
Mir ein Plätzchen zu verstatten.
Heimlich muß ich Dir's vertrauen,
Neidisch ist er auf das Plätzchen,
Neidisch auch, daß Deine Lippen
Mich wohl oft berühren würden;
Denn ein Kuß von Deinem Munde
Dünket ihm - so meint er - süßer,
Als wenn ich im Göttersaale
Mich, gefüllt aus Hebe's Kruge,
Seinem Munde präsentierte.
Was ich noch zu sagen habe,
Steht mir an der Stirn geschrieben: -
Dein Geliebter liebt Dich zärtlich,
Und in seinem treuen Busen
Wird die Liebe nie erkalten,
Wenn auch einst die zarte Blume,
Jetzt der Knospe kaum entquollen,
Blume Deiner Jugendjahre,
Nach des Lebens Lenz verblühte,
Nimmer wird die Lieb' erkalten,
Bis das Hündchen auf der Schale
Laut zu bellen angefangen.
Dieses Hündchen, das der Künstler
Schalkhaft auf die Stirn mir malte,
Soll auch künftig Dir, o Süße,
Tag und Nacht das Herz bewahren,
Daß nicht Kummer oder Sorge,
Oder sonst ein Dämon nahe,
Seinen Frieden zu zerstören.
Sammlung von
Gelegenheitsgedichten, 1852
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