| |
An ein Kind
Der Tag erschien mit heiterm Glanze,
Auf den Dein Herz sich längst gefreut,
Der Tag, wo sich zum Lebenskranze
Ein neues Jahr als Blüte reiht.
Wie pocht Dein Herz in schnellerm Schlage!
Es schlich die Zeit so langsam hin,
Und sehnend zähltest Du die Tage,
Bis dieser schöne Tag erschien.
Nun träumst Du nur von heil'gen Wonnen
Und denkst an Schmerz nicht und Verlust,
Die in der Zeit, die kaum verronnen,
So schwer gepreßt auch Deine Brust.
So reich ist ja des Kindes Leben
An Lust und Hoffnung, daß der Schmerz
Im flüchtigen Vorüberschweben
Berührt allein sein junges Herz,
So leicht fließt seines Blutes Welle,
Von keiner bangen Furcht beirrt,
Daß ein Verlust selbst ihm zur Quelle
Der Lust und neuer Hoffnung wird. -
Fern sei's, daß ich darob Dir zürne!
Du bist ein Kind, das leicht beglückt
Die heit're, judendliche Stirne
Mit Freudenkränzen gern sich schmückt.
Noch lange so, wie heut, genieße
Die Stunden sorgenlos und süß,
Und erst in fernen Tagen schließe
Sich Dir der Kindheit Paradies!
Die Festtage des
Lebens, 1856
|
|