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Geburtstag der Schwester
Holde Schwester! Sieh der Tag ist da,
Wo zuerst Dich diese Erde sah;
Wo auf lichten Purpurflügeln
Mit Dir zu beeisten Hügeln,
Als noch jede Freude schwieg,
Einst Dein Engel niederstieg.
Und die Freude zog mit ihm herab.
Als der Blumen weißes Grab
Und der Hügel Eis verschwand;
Freude Dir zur Gabe wand
Aus der ersten Veilchen Glanz
Ihren schönen Strahlenkranz.
Und da sah'n wir in den Luftgefilden,
Deine zarte Seele bilden
Heiter wie das Morgenlicht,
Das die grünen Schatten bricht,
Und wie Frühlingsmilde sanft und weich,
Und an jeder Mädchentugend reich.
Und wir eilten auf den Blumenwegen,
Wo der Genius Dich führte, Dir entgegen,
Jauchzten laut der holden Schwester zu;
Hielten zärtlich Dich umfangen,
Drückten Küsse Dir auf Deine Wangen:
Lächelnd sah Dein Engel zu.
Nehmt sie, sprach er: führt sie sanft die Pfade
Dieses Lebens, bis zu dem Gestade;
Und der Genius umwand
Uns mit einem Freundschaftsband,
Lächelt einmal noch und schwand.
Und seitdem, Du holde Schwester,
Knüpfte jedes Jahr es fester,
Und kein Sterblicher, kein irdisch Wesen,
Keiner, als Dein Engel, soll es lösen.
Sammlung von
Gelegenheitsgedichten, 1852
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