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Geburtstagslied der Hoffnung
Manch Lied hab' ich in kurzer Zeit
Nach meiner Art gesungen,
Bald war sein Klang dem Scherz geweiht,
Bald war's von Ernst durchdrungen.
Mitunter auch ein bunt Gemisch
Entquoll dem Saitenspiele,
Wenn wechselnd in der Brust und frisch
Sich regten die Gefühle.
Doch wird, wer sich gesättigt hat,
Des Essens endlich müde.
So ward auch ich des Singens satt,
Kein Liebesfunken sprühte.
Und schon beschloß, gedankenleer,
Die Harfe ich zu lassen
Und mit dem Singen niemals mehr
Mich künftig zu befassen.
Doch sieh! - Da schleicht auf seiner Bahn,
Gleich lichtem Sterne, heute
Ein schönes Wiegenfest heran,
Deß immer ich mich freute,
Und wundersam - kaum ist es hier,
Erglüht die Lust zum Singen
Von Neuem stark, so stark in mir,
Daß alle Saiten klingen.
Die Hoffnung naht. Und schnell hervor
aus tiefster Seele Tiefen
Quillt Klang um Klang zum Licht empor,
Als ob ihn Engel riefen.
Schon stimm' ich an den Festgesang,
Damit den Tag ich preise.
Doch horch! Zu Aeolsharfenklang
Ertönt's jetzt hold und leise:
"Die Hoffnung ist das Immergrün
"In unsres Lebens Traume.
"Ob alle Freuden und verblühn:
"Das grünt auf kleinem Raume.
"Das klammert sich an Jeden fest
"Zu eines Jedem Segen,
"Der sich von ihm umranken läßt
"Auf seines Lebens Wegen.
"Die Hoffnung ist des Lebens Stern.
"Wenn Dich die Nacht umdunkelt,
"Ist er's, der freundlich dann von fern
"In's Leben niederfunkelt.
"Und hell siehst Du, wenn wild es stürmt,
"Wenn sich zu Ungewittern
"Ein schwarzes Heer von Wolken türmt,
"Sein Licht herniederzittern.
"Die Hoffnung ist der beste Stab
"In müder Pilger Händen,
"Dis sie nach Freud' und Schmerz am Grab
"Des Lebens Lauf vollenden.
"Und wie ihr jugendliches Grün
"Belebt des Alters Schwächen,
"Wird stets ihr Stern herniederglüh'n
Und nie ihr Stab zerbrechen."
So sei denn das der Festgesang,
Den laut das Spiel begleitet,
Das mit der Töne reichem Klang
Mir das Gemüt besaitet.
Dies sei das Lied, das mich das Fest,
Des ich mich grüßend freue,
Aus voller Brust heut singen läßt
Und das ich oft erneue.
Die Festtage des
Lebens, 1856
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