Gedichte zu Geburtstagen von Geschwistern


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Gelegenheitsgedichte und Vorträge zum Geburtstag von Geschwistern


An den Bruder oder an die Schwester

Mein Auge schwimmt in Freudentränen,
O Schwester! wenn mein Geist die Szenen
Der nun verschwund'nen Jahre denkt,
Die uns ein mild Geschick geschenkt.
Sie kehren heut mir alle wieder,
Denn heute schwebt die Stunde nieder,
Die Dich, Du Teuerste, gebar,
Und stellt mein Jugendglück mir dar.

Es können Worte nicht verkünden,
Was Gleichgeschaff'ne tief empfinden;
Auch ich entschlei're Dir nur schwach
Mein Hochgefühl an diesem Tag,
Der einst ein vielgeliebtes Leben:
Die einz'ge Schwester mir gegeben,
Der ich mit Bruderinnigkeit
Mein ganzes treues Herz geweiht.

Des Lebens junge Blütenstunden
Sind uns in Eintracht sanft verschwunden,
Und trennte später uns die Pflicht,
So trennten sich die Herzen nicht.
Ich sah Dich in dem größern Kreise,
Doch immer blieb, nach alter Weise,
Im Glück, in Freuden und im Schmerz
Dem Bruder seiner Schwester Herz.

So bin ich auch Dir treu geblieben,
Dich rein und unverfälscht zu lieben,
War immer meine höchste Lust;
Sie schwellt auch heute meine Brust.
So lass mich dann auch mit den Deinen
Heut meinen reinen Wunsch vereinen,
Ihn Dir durch diese Worte weih'n:
Stets sollst Du froh, und glücklich sein!

Froh in dem Kreise Deiner Lieben
Ist Dir das höchste Glück geblieben,
Ein fühlend Herz, ein Geist voll Kraft,
Der sich sein Eden selbst verschafft;
Und um Dein Glück noch zu vermehren.
Sind Kinder, die Dich zärtlich ehren
Dein Stolz und Deine Zuversicht,
Und solche Freuden altern nicht.

Lang' sollst Du diese Wonne fühlen.
Wenn Kindeskinder Dich umspielen,
Dein offnes Auge, mild entzückt
Den Lebensschauplatz überblickt.
Oft soll dies Fest noch wiederkehren,
Geweiht durch reine Wonnezähren;
Dann schau' ich dankbar himmelwärts
Und drück' aufs Neue Dich ans Herz.

Poetischer Bibliothekar, 1845


Geburtstag der Schwester

Holde Schwester! Sieh der Tag ist da,
Wo zuerst Dich diese Erde sah;
Wo auf lichten Purpurflügeln
Mit Dir zu beeisten Hügeln,
Als noch jede Freude schwieg,
Einst Dein Engel niederstieg.

Und die Freude zog mit ihm herab.
Als der Blumen weißes Grab
Und der Hügel Eis verschwand;
Freude Dir zur Gabe wand
Aus der ersten Veilchen Glanz
Ihren schönen Strahlenkranz.

Und da sah'n wir in den Luftgefilden,
Deine zarte Seele bilden
Heiter wie das Morgenlicht,
Das die grünen Schatten bricht,
Und wie Frühlingsmilde sanft und weich,
Und an jeder Mädchentugend reich.

Und wir eilten auf den Blumenwegen,
Wo der Genius Dich führte, Dir entgegen,
Jauchzten laut der holden Schwester zu;
Hielten zärtlich Dich umfangen,
Drückten Küsse Dir auf Deine Wangen:
Lächelnd sah Dein Engel zu.

Nehmt sie, sprach er: führt sie sanft die Pfade
Dieses Lebens, bis zu dem Gestade;
Und der Genius umwand
Uns mit einem Freundschaftsband,

Lächelt einmal noch und schwand.
Und seitdem, Du holde Schwester,
Knüpfte jedes Jahr es fester,
Und kein Sterblicher, kein irdisch Wesen,
Keiner, als Dein Engel, soll es lösen.

Sammlung von Gelegenheitsgedichten, 1852


An die Schwester

Wie gerne wollt' ich Blumen pflücken
Von uns'rer stillen Hirtenflur,
Um, Schwester, sie Dir heut zu schicken;
Doch öd' und tod ist die Natur.

Nimm denn das Lied, das Brudertreue
Dir bringet, statt des Kranzes hin!
Und freue Dich, wie ich mich freue,
Und sei mir hold, wie ich Dir bin.

Leb' glücklich! Lust uns Scherz umfließe
Sanft, wie ein linder Hauch aus West,
Dich immer; süße Freude sprieße
Aus Allen, was Gott werden läßt.

Sammlung von Gelegenheitsgedichten, 1852


Der Schwester zum Geburtstage

Was soll ich wünschen Dir
An Deinem Wiegenfeste?
Dir ward das Liebste, Beste
Schon oft gewünscht von mir.

Sprech ich: Bleib stets gesund
Im lieben, neuen Jahre! -
So sprichst Du: "Alte Waare
Wünscht wieder mir Dein Mund."

Sprech ich: "Sei immer froh,
"Genieß des Lebens Freude! -
"Sei heiter stets wie heute!" -
So ist's gedrosch'nes Stroh.

Und wünscht Dir mein Gedicht
Ein Männchen, das Dich liebet -
Dann sprichst Du, fast betrübet;
"Weist Du was Bessres nicht?" -

Sprech ich: "Dir sei bescheert,
"Was sich gewünscht Dein Hoffen!"
Dann kannst Du sagen offen:
"Das hab' ich schon gehört!"

Nun, Schwester, das mag sein,
Ich wünsch' es Dir vom Neuen
Und will mich herzlich freuen,
Trifft nur das Alte ein.

Die Festtage des Lebens, 1856


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