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Dem fernen Freund
Mein teurer Freund! Mit heiterm Blick
Will ich die Stunde grüßen,
Die einst dem heitern Sonnenstrahl
Sich sah Dein Aug' erschließen.
Ich will sie segnen tausendfach,
Daß, ob manch' Jahr entschwinde,
Sie wiederkehrend in dem Kreis
Der Freude, stets Dich finde.
Und Du, gesegnet sei mit ihr!
Gesegnet mit den Lieben,
Die als Gefährten auf dem Pfad
Des Lebens Dir geblieben.
Erblühen möge neues Glück
Durch sie Dir jede Stunde,
Zur Wehmut werde jeder Schmerz,
Zur Narbe jede Wunde!
Und die der Ew'ge Dir geraubt,
Sie sind Dir nicht gestorben;
Stets bleibt ja unser Eigentum,
Was einmal wir erworben.
Und wandeln die Geliebten auch
Nicht mehr vor unserm Blicke,
Empor von hier zum Himmel baut
Die Sehnsucht ihre Brücke;
Und ob Dein Herz sich freudig hebt,
Und ob Dein Auge weine -
Mit den Geliebten bleibt Dein Herz
Im innigen Vereine!
Wenn so, die uns der Tod geraubt,
Wir stets die Unsern nennen,
Wie könnte doch das Leben da
Das Herz vom Herzen trennen?
Wie Zeit und Raum auch zwischen uns
Erbauen ihre Schranken,
Herüber und hinüber ziehn
Im Fluge die Gedanken!
Das Glück, das meine Brust bewegt,
Es macht Dein Herz auch schlagen,
Es findet seinen Wiederhall
Dein Schmerz in meinen Klagen!
Und so empfinden soll das Herz
Bis zu den letzten Schlägen.
Dazu, Du Ew'ger! segne uns
Mit Deinem reichsten Segen!
Die Festtage des
Lebens, 1856
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