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An Freunde und Freundinnen
Noch deckt Finsternis die weite Erde,
Alles liegt vergraben noch in Nacht,
Und schon regt sich's in der Küch' am Herde
Wo zum Kaffee Rosa Feuer macht;
Auch Pauline - zwar mit dehnender Gebärde,
Ist vom süßen Schlummer schon erwacht -
Und ich selbst - im öden kalten Zimmer,
Sitze dichtend, und mein Pfeifchen glimmt,
Während bei der Lampe düsterm Schimmer
Mir Apoll die gold'ne Leier stimmt,
Die der Sänger heute, wie noch nimmer,
Voll Begeist'rung in die Linke nimmt. -
Denn ein Festtag ist's, ein Tag der Freude.
Der uns schon so früh mobil gemacht.
Linchen feiert den Geburtstag heute
Und wer ließe dieses außer Acht!
Schlafen gleich noch alle Nachbarsleute,
Dir zu Ehren sind wir aufgewacht.
Freude malet sich in Aller Blicken,
Alles drängt sich liebevoll herbei,
Keiner mag die Regung unterdrücken
Und die Macht der Rede waltet frei.
Jeder möchte schenkend Dich beglücken,
Ob auch noch so klein die Gabe sei. -
Wirst Du, Linchen, alle freundlich hören,
So mag auch mein Wünschchen Dich erfreu'n:
Freude mag der Himmel Dir bescheren,
Wonne jeder junge Sonnenschein,
Und wird Dir der Festtag wiederkehren,
Wo Du seist, stets magst Du glücklich sein.
Sammlung von
Gelegenheitsgedichten, 1852
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