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An Freund oder Freundin
(Um dies Gedicht wird ein Kranz mit Rosen, der von Ähren durchschossen
wird, gemalt)
Ein neuer Grundstein Deiner Pilgerjahre,
Von Deiner Wiege bis zur Totenbahre,
Steht wieder nun vor Deinem Blick.
Du sah'st die Zeit im raschen Flug' entschweben,
Ein heit'rer Traum war Dir bisher das Leben,
Gestöret nicht von düsterm Missgeschick.
Für Mühen wurde Dir des Segens Wonne,
Und in dem Herzen strahlte Dir die Sonne
Des frohen Mutes, der Zufriedenheit.
Das höchste Glück, das Band der zarten Triebe
Umschlingt Dich traut in Deiner Gattin Liebe,
Im Zauberkreise stiller Häuslichkeit.
So bleibe unverändert Dir das Leben,
Wie dies Gedicht, von Rosen hold umgeben,
Durchwebt von Ähren, reich an Füll' und Zahl
Des Körpers Wohlsein fliehe von Dir nimmer,
Und Gott erheit're Deine Seele immer,
Bis sie entschwebet einst dem Erdental.
Er schenke Dir der Jahre viele, viele!
Eh' Du, als Wanderer am Scheideziele,
Erblicken wirst das letzte Abendrot
Erst wenn Du sprichst: Jetzt hab' ich ganz erfüllet
Des Lebens Pflicht, und jeden Wunsch gestillet!
Erst dann umarme Dich der Engel Tod.
Poetischer
Bibliothekar, 1845
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