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Als wahrer Freund
Wo ist denn wieder mit den Wechselstunden,
Mit Freud' und Schmerz, mit Glaub' und Wahn,
Wie jedes Herz gelitten und empfunden,
Ein Jahr im Zeitenstrome hingeschwunden
Auf Deiner ird'schen Lebensbahn;
Und wieder steh'st Du au dem neuen Ziele,
Und blick'st zurück mit daukbarem Gefühle.
So nimm denn hin, was ich Dir heute weihe,
Als wahrer Freund, Dir, treuem Freund.
Ich fleh' für Dich, dass während Jahrenreihe
Dem Herz sich noch der Erdengüter freue,
Dir noch des Lebens Sonne scheint;
Dass nie der Wunsch entrausche Deiner Lippe:
O komm, du Tod, mir deiner Sens und Hippe!
Noch mögen Jahre wieder Jahre treiben,
Die Seelen wandern aus und ein,
Doch Du gesund und frohen Mutes bleiben,
Kein Doktor je Rezepte Dir verschreiben,
Kein Apotheker nötig sein;
Bis Du Dich selber sehn'st nach Himmelsfrieden,
Und rufest: Tod! nun hol' mich, Lebensmüden.
Dann bett' er sanft Dich, nach dem letzten Traume
In Muttererde, in ein kühles Grab,
Und pflücke dort, im bessern Sonnenraume,
Von Edens goldumkränztem Wunderbaume
Dir schöne Früchte ew'ger Wonne ab;
So, dass Du selber Dir musst eingestehen:
Ich hab' den Tod für böser angesehen.
Poetischer
Bibliothekar, 1845
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