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An ein junges Mädchen
Sieh, das Dunkel ist zerronnen
Und im goldnen Strahl der Sonnen
Glänzet jugendfrisch die Welt.
Pochet nicht im stärkern Schlage
Dir das Herz an diesem Tage
Der zuerst mit goldnem Strahle
Deine Wiege einst erhellt?
Sechzehn Jahre sahst Du schwinden -
Soll ich laut es Dir verkünden
Was die Seele mir bewegt?
Sechzehn Jahre, sechzehn Lenze -
Sieh, jetzt stehst Du an der Grenze,
Wo sich Kind und Jungfrau scheiden,
Wo das Leben seine Freuden,
Wo es seine bunten Kränze
Lockend Dir zu Füßen legt.
Vorwärts schaust Du mit Entzücken,
Offen liegt vor Deinen Blicken
Eine bunte Zauberwelt. -
Oft noch wirst Du rückwärts schauen
Nach der Kindheit stillen Auen,
Die ein milder Glanz erhellt.
Deine Zähren werden tauen
Und es ruft ein leises Wehn:
Jene Tage waren schön! -
Jene Tage waren schön!
Hörst Du oft und viel auch Jeden
Von der Zukunft Wonnen reden -
Deiner Kindheit goldnes Eden
Wirst Du niemals wiedersehn!
Sechzehn Jahre, sechzehn Lenze!
Ach, der Kindheit schöne Kränze
Schmücken jetzt nicht mehr Dein Haupt!
Ach Dein schönster Stern ging nieder,
Und nie bringt die Zukunft wieder,
Was Vergangenheit geraubt.
Und so soll ich - wirst Du fragen -
Ewig trauern, immer klagen
Um das Glück, das mich verließ?
Soll mich nie des Lebens freuen,
Nur mein Herz der Sehnsucht weihen
Nach dem Jugendparadies?
Nein, nicht sollst Du ewig trauern,
Nur die Sehnsucht, sie soll dauern
Dir im Herzen, frisch und jung.
Sollst das Leben froh genießen,
Aber nie die Brust verschließen
Freundlicher Erinnerung.
Dann, ob auch die Zeit verrinne,
Bleibt Du Kind im höhern Sinne
Und Dein Herz bleibt gut und rein,
Und der höchste Schmuck der Frauen,
Den wir stillbewundernd schauen,
Unschuld, Kindlichkeit bleibt Dein!
Die Festtage des
Lebens, 1856
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